Veröffentlicht in Allgemeines, Haut

Juckreiz – vorbeugen, lindern, begrenzen

skin-1198028_640Das nervigste an Neurodermitis – der Juckreiz!!!

Ein anstrengender, stressiger Tag liegt hinter Dir, nach einem Stau und viel Hitze. Du kommst nach Hause und alles was Du machen möchtest ist KRATZEN!!!

Du hast geduscht und Dir auch noch die Beine rasiert, warst also etwas länger in der Dusche. Kaum ist das Wasser aus, geht es auch schon los, das unerträgliche Gefühl sich selbst kaputt kratzen zu müssen.

Es gibt viele Situationen, die Juckreiz auslösen und auch mindestens genau so viele, in denen man nicht an sich halten kann und wild darauf los kratzt.

Wer Neurodermitis hat, der weiß einfach, was es bedeutet juckende Haut zu haben.

Für Juckreiz kann es unglaublich viele Auslöser geben (Hautkrankheiten, Insektenstiche, Parasitenbefall, extrem trockene Haut, Stoffwechselstörungen, Stress, Umweltallergene, enge Kleidung, heiße Getränke, scharf gewürzte Speisen, mechanische Reizung, Hitze, Schweiß, stark histaminhaltige Nahrung usw.).

Gibt man dem Juckreiz nach, rutscht man in einen Teufelskreis. Man kratzt, der Juckreiz ist kurzzeitig gelindert, die Haut etwas mehr beschädigt, es kommt zu noch mehr Juckreiz, man kratzt stärker usw. Am Ende hat man manchmal ein schlechtes Gewissen, weil man seiner Haut mehr geschädigt hat, als ihr zu helfen. Wie man die Auslöser herausfinden kann, wie man Juckreiz lindern kann und wie man den Schaden begrenzen kann, habe ich im Folgenden für euch zusammengefasst. Die Quellen für die Info’s sind Erfahrungen von mir, von anderen Neurodermitis-Patienten und ein Vortrag zum Thema „Juckreiz“, den ich in der Fachklinik Bad Bentheim zu dem Thema hören durfte.

VORBEUGEN

Oft weiß man nicht auf Anhieb, was der genaue Auslöser des Juckreizes war / ist. Um sich ein bisschen besser kennen zu lernen und um genauer zu wissen, was bei einem persönlich das Jucken auslöst, oder verschlimmert, kann man einen Neurodermitis-Selbstbeobachtungsbogen führen.

Dieser Bogen wurde in dem „Juckreiz“-Vortrag in der Reha vorgestellt. Man füllt ihn mit Informationen zu Tätigkeiten und Situationen und wie das Juck-/Kratz-Verhalten dazu aussieht.

Hier mal ein Beispiel, wie so ein Bogen aussieht und was man da so eintragen kann:

Zeit

Wie war die Situation?

Juckreiz 1-10

Kratzen 1-10

Was habe ich gedacht?

Wie habe ich mich gefühlt?

Was habe ich getan?

22 Uhr Vor dem Schlafengehen 9 3 Warum passiert mir das? Über mich selbst geärgert Habe zu heiß geduscht
11 Uhr Arbeitsstress 7 10 Ich schaffe das nicht! War sehr stark angespannt
19 Uhr TV gesehen 10 9 Das ich keine Kontrolle über den Juckreiz habe. Mir war zu heiß gekratzt

Hat man das circa 2 Wochen gemacht, schaut man sich an, ob man Zusammenhänge finden kann. Es könnte zum Beispiel sein, dass man jeden Abend TV schaut und da besonders viel kratzt. Vielleicht, weil es in dem Raum zu warm oder zu trocken ist, oder wir keine Beschäftigung für unsere Hände währenddessen haben.

Übrigens: die Auswertung eures Selbstbeobachtungsbogens könnt ihr natürlich auch mit einem Freund, oder Familienmitglied machen. Gemeinsam findet man oft schneller Lösungen und euer Umfeld, weiß besser, wie es euch helfen kann und hat auch mehr Verständnis, wenn ihr in bestimmten Situationen evtl. abgelenkt oder gereizt seid.

Wer die Auslöser für seinen Juckreiz kennt, sollte diese natürlich so weit wie möglich meiden, oder sich – wenn möglich – darauf vorbereiten. Um bei dem TV-Beispiel zu bleiben, kann das in der Praxis so aussehen, dass man sich ein Kühl-Akku und einen Handschmeichler (da sind so Bälle, die man in den Händen hin und her rollen und bewegen kann) bereit legt. Sobald der Juckreiz da ist, kann man dann die betroffenen Stellen kühlen und die Hände beschäftigen, oder dies schon im Voraus machen. Während ich diesen Blog-Beitrag schreibe, habe ich ein Telefonkabel-Haargummi (weiß gerade den Namen nicht 😛 ) an der Hand. Immer, wenn ich eine Schreib-Pause mache und über den nächsten Satz nachdenke oder etwas nochmal nachlese, habe ich dann direkt etwas, um meine Hände zu beschäftigen.

Bei Neurodermitis-Patienten kann im Allgemeinen gerade in einer Schubzeit vermehrt darauf geachtet werden, stark histaminhaltige Lebensmittel zu meiden, um den Juckreiz von innen etwas vorzubeugen. Eine tolle Seite ist die von Marisa (https://marisastable.wordpress.com/) auf der ihr tolle Rezeptideen findet! Alle Rezepte sind gekennzeichnet, so dass alle Nahrungsmittel-Intolerante direkt sehen können, ob das Essen für sie geeignet ist, oder nicht. Sie hat für jeden etwas dabei, egal ob histaminarm, laktosefrei, fruktosefrei/-arm, vegetarisch, glutenfrei, oder vegan. Ein Besuch ist die Seite auf alle Fälle wert! 🙂

Da auch Stress ein Auslöser sein kann, kann man ausprobieren sich während eines stressigen Tages mit verschiedenen Entspannungstechniken wieder etwas zu beruhigen.

Ich habe oft den Eindruck, dass die Haut bei mir, bei genereller Überreizung reagiert. Meine Heilpraktikerin erklärte mir, dass sich unter / in der Haut sehr viele Nervenzellen befinden. Diese reagieren auf Sonne, Wasser, Umwelteinflüsse… eben auf alles mögliche. Das ist auch völlig normal. Bei Neurodermitikern reagiert sie allerdings 100mal so stark auf all diese Einflüsse und reagiert somit über (Achtung, dies ist keine wissenschaftliche Aussage, dies entspricht lediglich der Beobachtung meiner Helpraktikerin und mir 😉 ). In Schubzeiten – oder wenn ich gerade keinen Schub habe, aber merke, dass die Haut „Ausbruch bereit“ ist – versuche ich solche Situationen, in denen die Haut so überreizt wird, zu meiden. An solchen Tagen, verzichte ich dann zum Beispiel auf einen Tag am See oder eine ausgiebige Shopping-Tour.

Die Einnahme von Bachblüten Rescue Tropfen, kann das ganze Gejucke an so einem „reizvollen“ Tag ebenfalls etwas vorbeugen (stündlich, mehrere Tropfen). Mir hat das schon ab und an  geholfen, wenn ich rechtzeitig damit gestartet habe, den Abend, mit etwas weniger Hautschmerzen und Juckreiz als sonst zu verbringen. Fragt ruhig euren Arzt oder Heilpraktiker, ob er euch die Tropfen ebenfalls empfehlen kann. Es gibt auch einige Antihistaminika in Tabletten-Form, auch für Nachts. Nehmt diese bitte immer nur nach Absprache mit eurem Arzt ein.Es passt nicht jedes Antihistaminika-Tablettchen zu jedem Menschen.

Wenn ihr ebenfalls stark schmerzende Haut während und nach dem Duschen habt, könnt ihr dem Ganzen während dem Duschen vorbeugen, indem ihr zum Beispiel ein Öl-Duschbad verwendet und euch am Ende kalt statt warm abduscht.

Kommen wir zur

LINDERUNG oder: Ani-Juckreiz-Strategien

Jeder Mensch ist individuell. So hat nicht nur jeder persönliche Juckreiz-Auslöser, sondern auch seine ganz eigenen Anti-Juckreiz-Strategien. In der Fachklinik Bad-Bentheim hat man mal auf einem Flyer die ganzen Tricks gesammelt, die den unterschiedlichen Neurodermitis-Patienten so helfen. Vielleicht ist ja auch die ein oder andere Sache dabei, die ihr euch abgucken möchtet 😉

– heiße / kalte Dusche

– juckende Stellen von anderen streicheln / darauf klopfen lassen

– selbst auf juckende Stellen klopfen, drücken, mit Fingerknöcheln reiben, darüber streicheln, juckende Stellen kneifen

– an etwas anderem kratzen, z.B. am Sofa-Kissen, an einer anderen (unbeschädigten) Haut-Stelle

– kaltes Wasser darüber laufen lassen

– Cool-Packs auf juckende Stellen legen

– Sprühflasche mit kaltem Wasser verwenden

– Im Bett: Füße / Hände unter warmer Bettdecke hervorstrecken

– „Kratzstein“ (runder/flacher Stein) in Hosentasche mitnehmen, bei Juckreiz als Erinnerungshilfe gegen Kratzen und / oder zum Kratzen nutzen

– mit Eiswürfel über die Haut fahren

– Schlafanzug / Nachthemd ins Tiefkühlfach legen

– Ablenken, vor allem die Hände beschäftigen, zum Beispiel mit Igelball, Malen, Basteln , Handarbeiten, Modellbau etc.

– auf Hände drauf setzen

– etwas Wasser trinken (Allgemein auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten)

– heiße Badewanne mit Salz

– Föhnen

Nachtrag: 03.09: Also mir hilft zum Beispiel das kurze Auflegen eines Kühlbeutels (Plastikbeutel mit Wasser und Eiswürfeln) auf die betroffene Haut. Achtung, nie zu lange kühlen, vorallem nicht, wenn zwischen Kühlung und Haut direkter Kontakt besteht. Nicht, dass ihr euch noch Erfrierungen zuzieht 😉

„Schadens“BEGRENZUNG

Gerade in der Nacht kratzen wir uns sehr oft und manchmal so fest, dass die Haut anfängt zu bluten. Manchen hilft es Baumwollhandschuhe zu tragen (solche gibt es zum Beispiel im dm, diese sind aber in einer Einheitsgröße und mir ein bisschen zu kurz, habe Handschuhgröße M). Auf alle Fälle solltet ihr eure Fingernägel kurz halten, um so die Haut nicht zu sehr zu schädigen.

Es gibt auch noch einige Methoden, die man vor oder während dem Kratzen anwenden kann. Auch diese haben wir in dem „Juckreiz-Vortrag“ hier in der Reha besprochen und ich möchte sie gerne an euch weitergeben. Es sind vier Stück:

a) Kratz-Stop-Übung

b) Imaginationsübung (Vorstellung von Kühle oder Wärme)

c) Vorsatzbildung

d) Selbstbelohnung

Fangen wir direkt mit der ersten an, die a) Kratz-Stop-Übung

Vorgehen zum Erlernen der Technik:

1. Genau beobachten / bemerken, wann ich anfangen will zu kratzen

2. die Kratzhandlung unterbrechen durch:

– laut STOP rufen

– zur Unterstützung mit dem Fuß aufstampfen und die Hände zu Fäusten ballen

– danach etwas anderes machen, was den Juckreiz zusätzlich lindert

Im Alltag:

STOP ganz leise sagen / denken

Hände zu Fäusten ballen, wen möglich

b) Imaginationsübung (Vorstellung von Kühle oder Wärme)

Bei manchen lindert Wärme oder Kälte den Juckreiz, darauf baut diese Methode auf.

Vorgehen zum Erlernen der Technik:

1. Vorstellung von Kühle oder Wärme suchen, die angenehm ist (kühler Bergsee, kühle Brise, eiskaltes Wasser, Schnee – heiße Dusche, heißes Föhnen)

2. In die Vorstellung hineinversetzen („Ich gehe am Bergsee spazieren. Die Haut fühlt sich kühl und ruhig an.“)

Im Alltag:

Wenn Juckreiz kommt, sofort mit Imagination beginnen. Imagination halten, bis der Juckreiz nachlässt.

c) Vorsatzbildung

Vorgehen zum Erlernen der Technik:

1. Überlegen, warum man kratzen muss (z.B. Stress auf der Arbeit gehabt)

2. Überlegen, was man beim nächsten Juckreiz anders machen kann (z.B. durch zügigen Spaziergang abreagieren)

3. Überlegen, ob Ziel realistisch ist, ggf. neues Ziel setzen (z.B. hilft Spaziergang zum Abreagieren?)

Im Alltag:

Sich beim nächsten Juckreiz an den Vorsatz erinnern (eventuell Erinnerungshilfen machen, z.B. Post-It schreiben).

d) Selbstbelohnung

Vorgehen zum Erlernen der Technik:

1. Zu änderndes Verhalten genau definieren (z.B. 30 Minuten lang einen Film schauen ohne zu kratzen)

2. Neues, konkretes Ziel setzen (z.B. bei Juckreiz Kratz-Stop-Übung anwenden)

3. Angemessene Belohnung überlegen (z.B. sich ein Stück Schokolade gönnen)

Im Alltag:

Problem tritt auf, Ziel versuchen zu erreichen. – Bei erreichtem Ziel belohnen. – Nach mehrmaligem Erfolg Ziel verändern / erhöhen.

Natürlich ist nicht alles für jeden geeignet und jede Technik erfordert auch erst einmal Übung. Längerfristig gesehen, sollte man den Stress so niedrig wie möglich halten. Inzwischen gibt es dazu viele Kurse, die teilweise auch von der Krankenkasse übernommen werden. Ich hoffe jeder von uns findet das Passende 🙂

Hat euch der Blog-Beitrag gefallen? Wenn ja, schreibt doch einfach, was ihr so für euch entdeckt habt um den Juckreiz so gering wie möglich zu halten, oder was eure Alltags-Strategien sind

Laura ❤

Überarbeitet am 13.08.2015

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